Die US-Datenbank PubMed, betrieben von der National Library of Medicine (NLM), ist für die lebenswissenschaftliche Forschung weltweit mehr als eine Möglichkeit zur Literatursuche. Es ist eine Infrastruktur, auf die täglich Millionen Recherchen entfallen und die den Status eines unverzichtbaren öffentlichen Gutes hat. Was die Infrastrukturforschung seit Langem beschreibt, wurde 2025 erfahrbar: Infrastrukturen werden erst sichtbar, wenn sie zu versagen drohen.
Die Zeichen verdichteten sich im Laufe des Jahres: Das Literature Selection Technical Review Committee (LSTRC), das seit 1987 die redaktionelle Qualität von PubMed sicherstellte, wurde aufgelöst. Ein Vorschlag des Weißen Hauses sah eine Kürzung des Budgets der Trägerorganisation der NLM, des National Institut of Health (NIH), von 47 auf 29 Milliarden Dollar vor. Vier hochrangige NIH-Leitungspersonen traten zurück. Im April 2025 wurden NIH-Datenbanken temporär für ausgewählte ausländische IP-Adressen gesperrt – ein Vorgang, der weltweit Alarm auslöste und zeigte, wie schnell geopolitische Erwägungen in den Zugang zu wissenschaftlicher Infrastruktur eingreifen können.
Besonders bemerkenswert war die Reaktion aus den USA selbst: Forschende und Bibliothekar:innen, die PubMed jahrzehntelang aufgebaut und gepflegt hatten, wandten sich an ZB MED – nicht als offizielle Delegation, sondern als Einzelpersonen, die erkannten, dass das, woran sie ihr Berufsleben gewidmet hatten, gefährdet war. Sie baten Europa, nicht zu warten. Bitte macht weiter, war die Botschaft. Jemand muss es tun.
Bestehende Alternativen decken den Bedarf nicht. Europe PMC etwa erfasst relevante Teilbereiche, bildet aber aktuelle und neue Publikationen nicht ab, denn es fehlen die erforderlichen Vereinbarungen mit Verlagen für die laufende Einspielung von Metadaten. Die Lücke, die eine vollständige europäische Alternative schließen müsste, ist real und unbesetzt.
Warum sollte und muss ZB MED diese Aufgabe übernehmen? Es Teil der DNA von ZB MED und entspricht genuin dem Stiftungszweck von ZB MED: „„Zweck der Stiftung ist die überregionale Informations- und Literaturversorgung in den Fachgebieten Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften sowie deren Grundlagenwissenschaften und Randgebieten zur Abdeckung des Bedarfs in Forschung, Lehre und Praxis.“ ZB MED erfüllt die „Aufgabe der zielgruppenspezifischen Beschaffung, Erschließung, Archivierung und Bereitstellung von in- und ausländischer Literatur sowie von sonstigen analogen und digitalen Informationsmedien.“