Mehr als ein Suchfeld: Wie wir LIVIVO stabil und zukunftsfähig halten
Was LIVIVO tut, wirkt einfach: Suchbegriff eingeben, Ergebnis erscheint. Was dahintersteckt, ist unsichtbar – und genau so soll es sein, unabhängig von technischen Weiterentwicklungen oder inhaltlichen Anforderungen. Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz fordert unsere Arbeit in besonderem Maße. Ein kurzer Blick hinter die Kulissen zeigt, was unser letztes Jahr besonders geprägt hat.
LIVIVO ist das Suchportal für die Lebenswissenschaften von ZB MED. Mehr als 80 Millionen Einträge aus rund 40 Datenquellen sind an einem Ort durchsuchbar – kostenfrei und offen zugänglich. Doch ein Discovery Service ist mehr als das Suchfeld. Dahinter stecken Datenpipelines, Qualitätssicherung und Datenanreicherungen, gemeinsame Indexierung aller Quellen, Verlinkungen, User Management, die Verbindung zum Herzstück jeder Bibliothek – dem Bibliotheksmanagementsystem. Viele Quellen, eine Oberfläche – das erfordert intensive Arbeit im Hintergrund, die für die Nutzer:innen nicht ersichtlich ist.
Datenpflege: aktuell, vollständig, transparent
Verlässliche Suche beginnt mit verlässlichen Daten und damit, dass diese Daten fließen, wachsen und klar strukturiert sind. LIVIVO ist kein einzelner Server, sondern ein Zusammenspiel vieler spezialisierter Dienste. Fällt einer davon aus, hat dies unmittelbare Auswirkungen auf die Nutzbarkeit.
Aktuell: Monitoring ausgebaut
Wir haben 2025 das Monitoring unserer Datenpipelines gezielt verbessert, damit die Daten stets aktuell bleiben und die neuesten Inhalte aus allen Quellen Nutzenden ohne Verzögerung zur Verfügung stehen.
Die wichtigste Datenquelle für LIVIVO ist PubMed, die weltgrößte Datenbank für biomedizinische Literatur, betrieben von der US-amerikanischen National Library of Medicine. Mit dem neuen ZB MED-Tool Pubservatory, gemeinsam entwickelt von den Programmbereichen Bibliothek, Data Science and Services sowie BibLabs, stellen wir ein Beobachtungsinstrument zur Analyse des Publikationsgeschehens in PubMed bereit. So lassen sich Entwicklungen frühzeitig erkennen. Stockt PubMed, kommen keine neuen Daten hinzu – der vorhandene Bestand ist jedoch bereits gesichert, wird aber nicht weiter aktualisiert.
Vollständig: direkter Zugang zum Fernzugriff
In einem gezielten Kraftakt haben wir im vergangenen Jahr in LIVIVO bereits enthaltene Daten angereichert mit Verknüpfungen zu lizenzierten Volltexten mithilfe von Daten aus OpenAlex, einer offenen bibliografischen Infrastruktur. Wo ein Titel bisher in den Suchergebnissen ohne direkten Link erschien, führt er nun mit einem Klick zum Volltext. ZB MED verfolgt die Vision vom Fernzugriff für alle – weltweit für jeden mit einer wissenschaftlichen Frage. LIVIVO macht diese Vision greifbar: Wer sucht, sieht, was zugänglich ist und kommt direkt und ohne Umwege dorthin.
Transparent: Informationsqualität erkennen
Preprints – wissenschaftliche Artikel, die vor dem Peer-Review öffentlich zugänglich gemacht werden – sind in der Forschung zunehmend relevant. Ihre Verlässlichkeit unterscheidet sich jedoch von publizierten Artikeln. Nutzer:innen müssen diesen Unterschied erkennen können. LIVIVO macht bereits heute viele Preprints gezielt durchsuchbar, weist sie aber auch klar als solche aus. Die Erschließung zusätzlicher Preprint-Quellen ist als Teil unseres Projektes PIXLS bereits in Arbeit. Auch an der automatischen Informationsqualitätsbewertung forschen wir: Im Projekt AQUAS werden Möglichkeiten eruiert, die Qualität von Texten zu quantifizieren und potentiell Desinformation zu detektieren.
Infrastrukturarbeit ist unsichtbar – wenn sie funktioniert. Genau das ist unser Ziel für LIVIVO.
Sanaullah Ziyad, Mitarbeiter im LIVIVO-Team
Neue Anforderungen: LIVIVO in einer KI-geprägten Welt
2025 hat sich das Lastprofil von LIVIVO fundamental verändert. Menschliche Nutzer:innen und gewöhnliche Suchmaschinen-Bots machen nur noch einen kleinen Teil der Zugriffe aus. Zunehmend treten KI-Agenten auf – automatisierte Systeme, die Webseiten systematisch und massenhaft abrufen, um Trainingsdaten zu sammeln oder Suchanfragen im Hintergrund zu erledigen. Der Unterschied zur bisherigen Nutzung ist gravierend: nicht einzelne gezielte Anfragen, sondern Tausende automatisierte Anfragen pro Sekunde.
LIVIVO wurde für Menschen konzipiert, nicht für diese Anfragelast. Im letzten Jahr konnten wir durch die Abrufe von KI-Agenten und Crawlern deutlich erkennen, wo unsere Infrastruktur nachgerüstet werden musste – und wurde! Unsere IT-Abteilung hat die Last maßgeblich aufgefangen und die nötigen Maßnahmen umgesetzt, Abwehrmechanismen eingerichtet und Kapazitäten angepasst. KI-getriebene Nutzung wird, wie global bei Services und Inhalten dieser Art zu beobachten, weiter zunehmen. Wir haben das erkannt und richten unsere Infrastruktur entsprechend aus.
Während LIVIVO zunehmend von Bots, KI-Agenten und Crawlern aufgerufen wird, fragen Nutzer:innen zunehmend KI-Systeme statt klassische Suchportale, um an Information zu gelangen. Was für die Nutzenden zählt: Sie möchten von den neuen Technologien profitieren, ohne sich darum kümmern zu müssen. Die Erfahrungen mit KI-Agenten der letzten Jahre haben unseren Strategieprozess direkt geprägt. Technologien wie Conversational Search, Retrieval-Augmented Generation oder LLM-gestützte Recherche finden auch Einzug bei LIVIVO. Wir sehen und analysieren, wie Maschinen LIVIVO bereits heute massenhaft nutzen. Daraus leiten wir ab, dass die Frage nach der Rolle des Discovery Service in einer KI-Welt nicht warten kann.
LIVIVO positioniert sich nicht als Konkurrenz zu KI. Stattdessen werden wir die neuen Technologien gezielt nutzen, um die Suche für Nutzer:innen verlässlich, effizient und benutzungsfreundlich zu gestalten. Qualität, Kontrolle und die Kuratierung der Inhalte bleiben dabei vollständig in unserer Hand. Auch wenn die Suche nicht in das LIVIVO-Suchfeld eingegeben wird, sondern über den Chatbot eines KI-Systems, können die Nutzenden von den LIVIVO-Standards profitieren.
Relaunch: neues Gesicht, besserer Service
Ein kompletter Relaunch der LIVIVO-Website ist für das dritte Quartal des Jahres 2026 geplant. Das neue Portal ist gekennzeichnet durch neu zugeschnittene interne Webservices und weitreichende Verbesserungen: Das Zusammenspiel der Dienste im Hintergrund wurde grundlegend neu konzipiert. Wir haben 2025 bereits viele der technischen Arbeiten geleistet – Konzept, Grundlagen, schrittweise Umsetzung, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. Der Relaunch 2026 wird der sichtbare Abschluss einer Transformation, die bereits begonnen hat.
Wie ein Uhrwerk funktioniert LIVIVO nur, wenn jedes Zahnrad greift:
- Interne Services, die laufen.
- Daten, die stimmen.
- Systeme, die sich weiterentwickeln.
Wir sorgen dafür, dass LIVIVO zuverlässig arbeitet, verbessern kontinuierlich die Qualität und denken gleichzeitig in die Zukunft – auch wenn vieles davon hinter der Oberfläche bleibt und für Nutzer:innen unsichtbar ist.
LIVIVO ist eine lebendige Infrastruktur und wir entwickeln sie ständig weiter.














